Marktplatz-News
Marktplatz-News KW 42/2026: Was sich bei Amazon, Temu, Shopify, Kaufland und eBay geändert hat
Die wichtigsten E-Commerce-Entwicklungen der Woche für Deutschland, die USA und die EU: bevh-Zahlen Q3, EU-Bearbeitungsgebühr von 2 €, Amazon-Peak-Gebühren, Shopify Shop MCP, Kaufland Spanien.
Kurz gesagt
Der deutsche Onlinehandel wuchs im dritten Quartal um 2,9 %, getragen von den Marktplätzen. Temu, Shein und AliExpress verloren nach dem EU-Zoll von 3 € pro Artikel 35,5 % ihres Umsatzes in Deutschland, am 1. November kommt eine Bearbeitungsgebühr von 2 € hinzu. Amazons Peak-Gebühren laufen, Shopify öffnet seinen Katalog für alle KI-Agenten, und Kaufland ist in Spanien gestartet.
Zu dieser Ausgabe: Als erste Ausgabe unserer Marktplatz-News umfasst sie die Woche vom 12. bis 18. Oktober sowie die wichtigsten Entwicklungen aus den ersten Oktobertagen. Künftige Ausgaben behandeln jeweils nur die Vorwoche.
Deutschland: Onlinehandel wächst im dritten Quartal um 2,9 %, getragen von den Marktplätzen
Nach den Q3-Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) erreichte der Onlinehandel in Deutschland rund 18,5 Mrd. € Umsatz, ein Plus von 2,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Kanäle entwickeln sich deutlich auseinander: Online-Marktplätze wuchsen um 5,0 %, eigenständige Onlineshops verloren 0,8 % (retail-news.de, bevh-Zahlen).
Bei den Sortimenten legten Medikamente (+15,4 %), Drogeriewaren (+14,3 %) und Lebensmittel (+9,1 %) zu; Elektronik (−4,6 %) sowie Möbel und Deko (−5,2 %) gaben nach.
Was das für Händler bedeutet: Traffic und Bestellungen bündeln sich in Deutschland auf Marktplätzen. Für Marken, die nur über ihren eigenen Shopify-Shop verkaufen, wird mindestens ein Marktplatz wie Amazon, Kaufland oder OTTO als zweiter Kanal immer wichtiger für Wachstum.
Temu, Shein und AliExpress: Umsatz in Deutschland minus 35,5 %
Laut denselben bevh-Zahlen erzielten Temu, Shein und AliExpress in Deutschland im dritten Quartal zusammen 566 Mio. € Umsatz, 35,5 % weniger als im Vorjahr. Ihr gemeinsamer Marktanteil sank von 5,3 % im zweiten auf 3,1 % im dritten Quartal. Als Hauptgrund gilt der Wegfall der Zollfreigrenze für Sendungen unter 150 € zum 1. Juli (Quelle).
Was das für Händler bedeutet: Der Preisabstand zu Billigimporten schrumpft. Händler mit Lager in Deutschland und schneller Lieferung gewinnen Spielraum im Preiswettbewerb, vor allem in Mode, Wohnen und Accessoires. Eine ausführliche Analyse dazu finden Sie in einem eigenen Beitrag.
EU: Ab 1. November 2 € Bearbeitungsgebühr pro Artikel
Laut der Seite der Europäischen Kommission zur Zollreform erhebt die EU seit dem 1. Juli 2026 einen befristeten Zoll von 3 € pro Artikel auf Sendungen bis 150 € aus Drittländern. Ab dem 1. November 2026 kommt eine „Union handling fee“ von 2 € pro Artikel hinzu. Der befristete Zoll von 3 € wird durch reguläre Zölle ersetzt, sobald der EU-Zolldatenknotenpunkt vollständig in Betrieb ist (Europäische Kommission).
Was das für Händler bedeutet: Wer Kleinsendungen direkt aus Drittländern an Verbraucher in der EU verschickt, zahlt ab dem 1. November erneut mehr pro Stück. Der Versand aus einem Lager in der EU, etwa Amazon FBA Deutschland oder ein Fulfillment-Dienstleister, vermeidet diese Kosten.
Beliebteste Onlineshops in Deutschland: eBay und Temu ringen um Platz zwei
Nach Statista-Daten, über die etailment berichtet, kauften in den letzten zwölf Monaten 75 % der Online-Shopper zwischen 18 und 64 Jahren bei Amazon. Dahinter folgen eBay mit 32 % und knapp dahinter Temu mit 31 %. OTTO kommt auf 21 %, Zalando auf 20 % (etailment).
Was das für Händler bedeutet: Amazon führt in Deutschland mit großem Abstand, doch eBay erreicht weiterhin eine breite Kundschaft. Bei Gebrauchtwaren, generalüberholten Produkten, Ersatzteilen und Sammlerstücken bleibt eBay ein Kanal, den man nicht vernachlässigen sollte.
Amazon USA: 9,86 Mrd. $ Online-Umsatz an den Prime Big Deal Days
Laut Retail Dive, das sich auf Adobe Analytics stützt, erreichten die Online-Ausgaben in den USA während der zweitägigen Prime Big Deal Days Anfang Oktober 9,86 Mrd. $, nach 9,09 Mrd. $ im Vorjahr. Auf Mobilgeräte entfielen 5,1 Mrd. $ oder 52 %, auf „Buy now, pay later“ 692,3 Mio. $ (Retail Dive).
Was das für Händler bedeutet: Laut einer von Retail Dive zitierten Numerator-Studie hat mehr als ein Drittel der Käufer mindestens die Hälfte der Weihnachtseinkäufe bereits erledigt. Die Nachfrage im November könnte schwächer ausfallen; verteilen Sie Werbebudgets über die Saison, statt alles auf den Black Friday zu setzen.
Amazon: Peak-Versandgebühren seit 15. Oktober
Amazons Peak-Versandgebühren 2026 gelten vom 15. Oktober 2026 bis zum 14. Januar 2027. In den USA steigt die Gebühr je nach Größenklasse; ein kleiner Standardartikel etwa von 2,49 $ auf 2,68 $, zuzüglich 3,5 % Treibstoff- und Logistikzuschlag. Die US-Einlagerungsfristen für Black Friday und Cyber Monday sind der 21. und 28. Oktober (Forest Shipping).
Was das für Händler bedeutet: Maßgeblich ist der Tag, an dem die Ware das Lager verlässt; auch vor Oktober eingelagerte Bestände fallen unter den Peak-Satz. Prüfen Sie die aktuellen Beträge für Deutschland in der FBA-Gebührentabelle in Seller Central und passen Sie Ihre Aktionspreise an.
Nach Amazon Accelerate: Multichannel-Tools und Listing Protection
Laut Amazons Accelerate-2026-Zusammenfassung arbeitet der Seller Assistant nun als Agent, der innerhalb der vom Händler gesetzten Grenzen selbst handeln kann. Händler sollen eBay-, Shopify-, TikTok-Shop- und Walmart-Konten mit Seller Central verbinden und Bestellungen zentral sehen können. Listing Protection hält Angebote online, während ein Verstoß geklärt wird; in den USA bis Ende 2026 für alle Händler mit Account Health Assurance, weltweit ab 2027 (Amazon Selling Partners).
Was das für Händler bedeutet: Die Multichannel-Tools kommen schrittweise zuerst im US-Store. Für Deutschland gibt es noch keinen Zeitplan; bis dahin bleibt der Bestandsabgleich über Shopify oder einen Integrator der verlässliche Weg.
Shopify: Shop MCP öffnet den Katalog für alle KI-Agenten
Shopify hat Shop MCP vorgestellt. Damit kann jeder KI-Agent mit Model-Context-Protocol-Unterstützung im Shopify-Katalog suchen, Warenkörbe anlegen und mit Shop Pay bezahlen (Shopify-Entwickler-Changelog). Anfang des Monats hatte Shopify bereits Canvas vorgestellt, mit dem Händler ihren Shop im Chat mit einer KI gestalten.
Was das für Händler bedeutet: Ihre Produktdaten werden jetzt neben Suchmaschinen auch von KI-Agenten gelesen. Vollständige Titel, Varianten, Bestände und Preise sind die Voraussetzung für Sichtbarkeit in diesem neuen Kanal. Mehr dazu in unserer zweiten Analyse.
Kaufland: Marktplatz in Spanien gestartet
Kaufland hat seinen Marktplatz am 6. Oktober in Spanien eröffnet, zum Start mit mehr als 3.100 Händlern. Nach dem Start in den Niederlanden setzt Kaufland damit den Ausbau seines europäischen Marktplatznetzes fort (HORIZONT).
Was das für Händler bedeutet: Ein Kaufland-Shop kann vom selben Konto aus neue Länder erschließen. Ohne Produktdaten in der Landessprache, realistische Lieferzeiten und einen Retourenprozess gefährdet ein Start die Verkäuferbewertung.
eBay OPEN 2026 Berlin: Live-Shopping, KI und grenzüberschreitender Handel
eBays Händlerveranstaltung eBay OPEN 2026 fand am 15. Oktober in Berlin statt. Auf der Agenda standen Livestream-Verkauf mit eBay Live, KI-Werkzeuge, Werbung, internationaler Handel und EU-Regulierung; Teilnehmende erhielten 100 € Werbeguthaben (wortfilter).
Was das für Händler bedeutet: eBay setzt in Deutschland stark auf Livestream-Verkauf. Für Händler von Sammlerstücken, Mode und Refurbished-Ware kann das Format eine neue Trafficquelle werden.
Die Woche im Überblick: Plattform, Änderung und To-do
| Plattform / Institution | Änderung | Auswirkung | To-do diese Woche |
|---|---|---|---|
| EU | Ab 1. November 2 € Bearbeitungsgebühr pro Artikel | Direktversand aus Drittländern wird teurer | Stückkosten direkt versendeter Produkte neu kalkulieren |
| Amazon | Peak-Gebühren (15.10.–14.01.) | Geringere FBA-Marge | Aktionspreise mit den neuen Gebühren prüfen |
| Amazon | Multichannel-Tools, Listing Protection | Zuerst USA | Zeitplan für Deutschland beobachten |
| Shopify | Shop MCP | KI-Agenten als neuer Vertriebskanal | Katalogfreigaben und Produktdaten prüfen |
| Kaufland | Start in Spanien | Neues Land, gleiches Konto | Spanische Daten und Lieferzeiten vorbereiten |
| Temu / Shein | Umsatz in Deutschland −35,5 % | Geringerer Preisdruck | Preise in umkämpften Kategorien überprüfen |
Das Wichtigste
- Das Wachstum in Deutschland liegt bei den Marktplätzen: Laut bevh wuchsen Marktplätze um 5,0 %, eigenständige Onlineshops schrumpften um 0,8 %.
- Auf Kleinsendungen aus Drittländern fällt seit 1. Juli ein Zoll von 3 € pro Artikel an; ab 1. November 2026 kommt eine Bearbeitungsgebühr von 2 € pro Artikel hinzu.
- Amazons Peak-Versandgebühren gelten vom 15. Oktober 2026 bis 14. Januar 2027; aktualisieren Sie Ihre Margenrechnung.
- Mit Shopify Shop MCP können Ihre Produkte automatisch in Einkaufsabläufe von KI-Agenten gelangen; prüfen Sie, für welche Kanäle Sie freigegeben sind.
- Mit dem Start in Spanien erreicht ein Kaufland-Händlerkonto mehr Länder; über den Erfolg entscheidet die Datenqualität.
Häufige Fragen
Wen betrifft die EU-Bearbeitungsgebühr von 2 €?
Sie gilt für Waren, die aus Drittländern im Fernabsatz an Verbraucher in der EU verkauft und verzollt werden. Die Europäische Kommission wendet sie ab dem 1. November 2026 mit 2 € pro Artikel an. Händler, die aus einem Lager in der EU versenden, sind nicht direkt betroffen; wer Kleinsendungen direkt aus Drittländern verschickt, sollte sie in die Stückkosten einrechnen.
Wann gelten Amazons Peak-Gebühren?
Amazons Peak-Versandgebühren 2026 gelten vom 15. Oktober 2026 bis zum 14. Januar 2027. Maßgeblich ist der Tag, an dem die Einheit das Logistikzentrum verlässt, nicht das Bestelldatum. Die aktuellen Beträge für Deutschland finden Sie in der FBA-Gebührentabelle in Seller Central.
Was ist Shopify Shop MCP?
Shop MCP ist eine Schnittstelle, über die jeder KI-Agent mit Model-Context-Protocol-Unterstützung im Shopify-Katalog suchen, Warenkörbe anlegen und mit Shop Pay bezahlen kann. Händler können den Katalogzugriff für einzelne Kanäle entziehen.
Ist der Rückgang von Temu und Shein eine Chance für Händler in Deutschland?
Teilweise. Laut bevh fiel der Umsatz der drei Plattformen in Deutschland im dritten Quartal um 35,5 %, ihr gemeinsamer Marktanteil sank von 5,3 % auf 3,1 %. Mit kleinerem Preisabstand gewinnen Händler mit Lager in Deutschland, schneller Lieferung und verlässlichen Retouren, je nach Kategorie unterschiedlich stark.
Quellen
- bevh / retail-news.de – Onlinehandel Q3 2026
- European Commission – EU Customs Reform (€3 duty, €2 handling fee)
- etailment – Beliebteste Onlineshops 2026 (Statista)
- Retail Dive – Prime Big Deal Days online spend (Adobe)
- Forest Shipping – Amazon 2026 holiday fulfillment fees
- Amazon Selling Partners – Accelerate 2026 recap
- Shopify Developer Changelog – Shop MCP
- HORIZONT – Kaufland startet Marktplatz in Spanien
- wortfilter – eBay Open 2026